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Vor der Abreise versicherte mir Michael Wittke, daß die Geräusche aus meinem Getriebe normaler Verschleiß seien und wir nach 3000 km geplanter Urlaubsfahrt doch endlich die vorgesehene Getrieberevision machen sollten. Aber "3000 km geht noch" waren seine Abschiedsworte.

Über das Weinfest in Stuttgart ging es zuerst nach Benediktbeuren. Landschaftlich wunderschöne Straßen führten uns zur Wieskirche, zum Schloß Neuschwanstein und zum Schloß Hohenschwangau, zum Kloster Ettal und an den Kochelsee, dessen Sonnenuntergänge allen Romantikern nur zu empfehlen sind. Und ein 914 Kofferraum eignet sich prima als Campingtisch. Mit dem grünen Michelin Reiseführer "Deutschland" war sehr schnell eine Route abgesteckt. Den Empfehlungen "unbedingt sehenswert" kann man voll vertrauen und wird zu den wirklich außergewöhnlichen Schönheiten geleitet. Wer mehr will, der Reiseführer geht für Leute die "Viele alte Steine" sehen wollen auch ins Detail. Nach dieser Rundfahrt wurde uns klar, daß man nicht weit reisen muß um architektonische und kulturelle Einmaligkeiten zu sehen.

Nachdem wir Bayern den Rücken gekehrt hatten ging es jetzt endlich in Richtung Italien. Am Gardasee genossen wir den ersten Tag am Strand und ein schönes, altes Hotel mit Seeblick. Doch bevor wir richtig heimisch wurden, schließlich wollten wir ja noch mehr von Italien sehen, fuhren wir nach Modena, um uns Mittelmotorautos italienischer Bauart anzusehen. Die Ferrari Teststrecke und das Museum sind für alle Autofans ein echter Leckerbissen.

Die Abruzzen bringen echten Fahrspaß. Serpentinien und oft wunderschöne Blicke in die Täler lassen das Herz höher schlagen. Schließlich erreichten wir Viareggio und entspannten uns an dem wunderschönen Sandstrand (wunderschön solange man per Eintritt die privaten Strände besucht). Von hier aus unternahmen wir viele Tagesausflüge die tolle Eindrücke der Toscana vermittelten: lange, geschwungene Alleen, sanfte Hügel mit Pinien bewachsen, das Farbenspiel im Licht der Sonne und Carrara mit seinen Marmorsteinbrüchen. Weiter ging es nach Lucca mit seiner alten Stadtmauer, über San Gimingiano mit den alten Patriziertürmen und Espresso auf dem berühmten Marktplatz, alles zusammen einfach zauberhaft. Wir wollten auf jeden Fall auch noch nach Pisa, nicht nur wegen des schiefen Turms, der Dom ist mindestens genauso beeindruckend. Wein, gutes Essen und freundliche Leute, die dem 914 oft einen bewundernden Blick zuwarfen, ließen die Zeit im Flug vergehen.

In Florenz wurde ich dann von Zahnschmerzen überrascht, die der vom ADAC vermittelte, deutschsprechende Zahnarzt als Wurzelentzündung diagnostizierte. Entweder drei Tage ambulante Behandlung oder, die Schmerzen waren nur dank Tabletten erträglich, zurück nach Bad Homburg und zum eigenen Zahnarzt. Gesagt, getan! Inklusive eines Abstechers nach Siena, um den berümten Marktplatz des Palios zu sehen waren wir von Siena aus 10 Stunden später in Bad Homburg und am nächsten Tag saß ich bei meinem Zahnarzt auf dem Stuhl, der mich am gleichen Tag von meinen Schmerzen befreit hatte. Bis jetzt waren aber erst zwei der drei geplanten Wochen um.

Der Urlaub, die schönste Zeit des Jahres! Wir entschieden uns, für die letzte Woche nicht wieder nach Italien zu fahren, der Tegernsee sollte es ein. Dabei sollte aber Sport und gutes Essen nicht zu kurz kommen.

Die Quartiersuche war kein Problem und wir machten uns dann von unserer Unterkunft in Rottach-Egern auf über eine alte Bergrennstrecke zum Wallberg. Wir fuhren betont gemütlich. Bei der zweiten Bergaufpassage, ein leicht kreischendes Geräusch, die Gänge ließen sich immer schlechter schalten. Angehalten, nachgeschaut, keine Besonderheiten! Weitergefahren, die Gänge ließen sich fast gar nicht mehr btw. nur mit roher Gewalt schalten und letztendlich bohrte sich die Antriebswelle für den Tachowinkeltrieb durch den hinteren Getriebedeckel ins Freie. Merke: Gewalt ist nicht sinnvoll und lieber einmal mehr sich abschleppen lassen als mit Gewalt noch mobil sein wollen. KM-Stand seit Abreise 3.218! Wie war das noch, wann wollten wir das Gertriebe revidieren? Scheiße! Michael hatte Recht. Für mich gilt also für die Zukunft, fahre nie länger als Michael Dir erlaubt!

Was jetzt kommt, kennen die meisten Porsche 914 Fahrer auch schon aus eigener Erfahrung. Nächstes Telefon gesucht, den ADAC angerufen und den Abschleppdienst geordert. Das dauerte einige Zeit.

Da das nächste Porsche Zentrum zu weit entfernt war, mußte eine VAG-Werkstatt als vorläufiges Ziel ausreichen. Am nächsten Tag dann die Suche nach einem AT-Getriebe, ich wollte Nägel mit Köpfen machen, jedoch konnten die Porsche Zentren mit einem AT-Getriebe unter DM 3.500,-- und drei Tagen Lieferzeit nicht dienen. Als Alternative blieb also nur Michael. Zu allem Überfluß sagte mir dann die VAG Werkstatt, daß sie auf gar keinen Fall ein angeliefertes Getriebe in ein Auto einbauen würden und außerdem wäre der 914 kein aktuelles VW Modell, keine Werkzeuge, keine Reparaturanleitungen und keine Fachleute waren die Antworten, die ich zu hören bekam. Als ich auch noch wagte, zu fragen, ob ich am kommenden Samstag oder nach Feierabend eine Hebebühne benutzen dürfte, erklärte man mich für total verrückt und wurde sehr unfreundlich.

Wir hatten zwar mittlerweile Mountain-Bikes gemietet und genossen den Urlaub, auf der anderen Seite wollten wir ja auch irgendwann mit dem Auto am Ende des Urlaubs, und eine Woche kann kurz sein, nach Hause fahren. Also taten wir zwei Dinge: erstens Anruf bei Michael und Bestellung eines gebrauchten Getriebes. Zweitens Angebot auf freie Fahrt (Astrids Polo war noch in Düsseldorf) und freie Kost und Logis. Die kleine Gegenleistung bestand darin, kurz das neue Getriebe vorbeizubringen und mit meiner fachkundigen Unterstützung auf dem Parkplatz vor der VAG-Werkstatt einzubauen. Alles kein Problem! Wir genossen zwei herrliche Tage mit den Mountain-Bikes am und um den Tegernsee, dann kam Michael und zur Demonstration haben wir in 2 1/2 Stunden Getriebe ausgebaut, Deckel ausgetauscht und Getriebe wieder eingebaut. Wir waren mit unserer Schnelligkeit die Attraktion der verlängerten Frühstückspause des VAG-Betriebs.

Wir haben nach einer zufriedenstellenden Probefahrt den Abend bei Bachmaier in Weißach genossen. Auf der Rückfahrt, die uns über München ins BMW-Museum und einen Kaffee im Dallmayer Sammhaus führte, machten wir noch Halt in den Schweizer Stuben in Wertheim. Der ARAL-Schlemmer-Atlas sei an dieser Stelle allen empfohlen, die unterwegs gerne gut, aber nicht versnobt und überteuert essen gehen wollen. Auf diese Weise ging ein wunderbarer Urlaub zu Ende, anders als geplant aber umso erlebnisreicher.

Ludger Kill

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