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PORSCHE • ERSATZTEILE
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So fand ich, es ist peinlich das zuzugeben, erst nach 6 Monaten heraus, daß die Kotflügel GFK-Ersatz waren. Der Motor war ein reiner 411er. Geschraubt war der Wagen nur an wenigen Stellen. Mein Vorgänger hielt es wohl für besser, die Einzelteile wie Armaturenbrett und Benzinleitungen einfach "anzustecken".

Nachdem ich einige Sachen am Fahrzeug in Ordnung gebracht hatte, beschloß ich den Vierzehner im nächsten Herbst auseinander zubauen. Mein Vorhaben scheiterte leider an dem Tag, als ich an einer Ampel stand und etliche Fahrzeugführer neben mir wild gestikulierten. Als ich mich umschaute, bemerkte ich eine Rauchwolke, die von der Seite des Fahrzeuges zu kommen schien. Ich stieg aus und begutachtete mein Auto von der Seite.

Da waren sie plötzlich, geschoßartige Flammen entwichen dem unteren Teil des Fahrzeuges in Höhe des Motors. Ich blieb wie versteinert stehen und schaute auf die Flammen, die sich langsam an den GFK-Kotflügel heranschlichen. Dann kam ich auf die glorreiche Idee den Motor auszuschalten. Gute Idee! Ich hatte keinen Feuerlöscher und sah schon in Gedanken, wie der Wagen ausbrannte. Tat er aber nicht. Denn der Fahrer einer S-Klasse, sie seien an dieser Stelle von allen Vorurteilen befreit und bejubelt, schnappte sich seinen wohl serienmäßigen Feuerlöscher und löschte das Feuer, nachdem er mich aus meiner Versteinerung erlöste und mir Anweisungen zum Öffnen der Motorklappe gab.

Wiederum: Gute Idee! Er sah so gut aus, der Vierzehner. Gar nicht alt oder so.

Dieses Erlebnis nötigte mich dann zum genaueren Nachschauen. Ein Freund, seines Berufes als Kfz-Mechaniker wegen ein Kenner, schaute sich das Prachtstück an. Er lief um das Fahrzeug herum, wackelte an einigen Teilen, beugte sich in den Motorraum und legte sich schließlich, als ob er schon gar keine Lust mehr dazu hatte, unter den Wagen. Am heutigen Tage weiß ich auch das ständige leichte Kopfschütteln zu deuten, welches ich mir damals ständig einbildete, wie ich glaubte. Ich sah doch nur den glänzenden Lack auf den "rostfreien" GFK-Kotflügeln. Als er mich dann fragte, wieviel ich denn dafür bezahlt habe, hätte ich ihm wohl Pfennigbeträge nennen können, und er hätte immer noch gelacht.

Auch auf meine Frage, ob man den Wagen nicht noch herrichten könne, war ich der Meinung ein unterdrücktes Grinsen in seinem Gesicht zu erkennen. Auf seinen Ratschlag, das Fahrzeug so schnell als möglich abzugeben, reagierte ich zunächst mürrisch, schließlich siegte aber die Vernunft. Belehrt durch den ersten Flop war ich mir sicher: der nächste wird ganz anders. Ich besorgte mir etliche Literatur über den Vierzehner, wobei Motorisierung und Baujahr eher irrelevant waren. Ich wollte jede Schraube und Unterlegscheibe des Klassikers kennenlernen.

Zwei Jahre später und etlichen Wissens bereichert war ich dann für einen Neuen vorbereitet. Sorgfältig studierte ich die Zeitungen und anders als bei meinem Ersten dauerte es noch fast ein halbes Jahr, bis ich dann denn richtigen gefunden hatte. Diesmal ein Sahnestück, den ich von einem älteren Herren abkaufte und nun stolzer Zweitbesitzer war. Der Lack war total verwittert. Im Innenraum waren eine kleine Welt der Flora zu erkennen. Doch unter all diesem, ich hatte den Wagen zuvor über drei Stunden untersucht, erschien dann ein Fahrzeug ohne Rost und Schweißstellen.

Durch den älteren Herrn wurde es vorzüglich gewartet. Sämtliche Mechaniken sowie Motor, diesmal ein Originaler, befanden sich in einem guten Zustand. Froh über meinen Kauf stellte ich den Vierzehner erst einmal bei einem Bekannten in die Garage. Diese befand sich etwa hundert Kilometer von meinem Heimatort entfernt, aber für ein ordentliches Gesamtprogramm vor dem Anmelden und Fahren fehlte mir zu dieser Zeit sowieso das nötige Kleingeld.

Nein, er sollte erst einmal dort stehen. Ein fataler Fehler. Ein paar Monate später wollte ich nachschauen, ob alles in Ordnung ist und fand die Garage leer vor. Um meine Angst zu überwinden, lächelte ich und ging hektischen Schrittes zu dem Besitzer der Garage. Der wußte jedoch von nichts. Wir gingen gemeinsam zu der Garage zurück und untersuchten das Schloß, aber es waren keine Einbruchspuren zu erkennen. Es kamen also nur zwei Möglichkeiten in Betracht.:

1. Ich hatte vergessen die Garage abzuschließen.
2. Der Besitzer der Garage hatte seine Finger mit im Spiel.

Nach zwei Monaten mußte ich mir selbst zugeben, daß der zweite Vierzehner gestohlen wurde. Ein schwerer Verlust, zumal er nicht versichert war und sämtliche Tausender, die ich zuvor hierfür angespart hatte, plötzlich zu Staub zerfielen. Wiederum fünf Jahre später, 1996, kam dann der Dritte. Diesmal ein Zweiliter-Vierer. Nicht ganz so gut erhalten wie der Zweite, aber dafür sehr günstig. Im Sommer konnten wir ihn sogar noch ohne Probleme fahren. Im Herbst meldete ich ihn dann ab und begann mit dem Auseinander bauen.

Diesmal sollte es eine erstklassige Restaurierung werden. Beim Ausbau einiger Teile wurde ich zwar teilweise noch vom Rost überrascht, wußte jedoch gleichzeitig, daß hierbei die Restaurationsbasis nicht beeinträchtigt würde. Nun steht er da als Skelett und wartet auf eine geschickte Hand, die ihm sein Blech auf Vordermann bringt. Dann soll er komplett verzinkt werden. Sollte mir dann auch nur das kleinste Teil nicht gut genug erscheinen, so wird es beim Aufbau ausgetauscht. Das kostet Geld. Und das kostet Zeit. Aber Zeit, die nehme ich mir jetzt einfach. Dann weiß ich später jedenfalls, was ich da fahre.

Mein Vater stellte mir beim Anblick des Porsche vor kurzem die Frage: "Gibt es denn eigentlich niemanden, der so eine Sache subventioniert?" Gute Frage. Aber bis das passiert, werden wohl noch viele Jahre vergehen müssen... 
Stefan Schiebel

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