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Geschichtliches:

Alcaniz ist für eine kleine Stadt übermäßig mit mittelalterlichen Kirchen und Festungen versehen. Die Stadt hatte wohl eine sehr große Bedeutung zu jener Zeit.

Wir hatten leider keine Zeit, dies zu entdecken. So beginnt meine Geschichtsschreibung mit dem Jahre 1965: In diesem Jahr verwirklichte der in Alcaniz ansässige Arzt Joaquin Repolles Garcia zum ersten Mal seinen Traum von einem Autorennen im Ort. Er suchte sich als Termin den 11. September aus, damit das Rennen mit dem alljährlichen Stadtfest zusammenfiel. Am 11.09.65 siegte so Perlayo Martinez auf Nardi 1000 GT.

Die Siegerliste der folgenden Jahre läßt das Herz jedes Motorsportfans und speziell jedes Porsche- Fans höher schlagen:

1966 Principe F. Baviera Porsche Carrera 6

1967 Juan Fernandez Porsche Carrera 6

1968 Berne Heiderich Porsche Carrera 6

1969 Juan Fernandez Porsche 908

1970 Alex Soler Roig Porsche 917

1971 Rafael Barrios Alfa Romeo GTAM

1972 Alberto Ruiz Giminez Capri 3000

1973 Principe J. de Bragation Capri 3000

Ab 1971 waren die Sportprototypen nicht mehr startberechtigt, die Silhouette des 917 ging jedoch in das Wappen des Automobil Club Circuito Goudalope ein.

1977 organisiert J. Repolles Garcia zum letzten Mal den Premio Ciudad de Alcaniz, die FIA übernimmt die Aufsicht und das bis dahin erhobene Sonderstartgeld (?) fällt weg.

1980/81 finden keine Veranstaltungen statt, die treibende Kraft J. Repolles fehlte wohl doch.

Im Jahre 1985 wurde die Wertung aufgrund zweier tödlicher Unfälle ausgesetzt.

1984 fuhr Juan Fernandez (siehe 67/68) mit einem Osella-BMW Spider in 1' 33'' 67 die schnellste Rennrunde bis heute; zum Vergleich: die aktuellen Supertourenwagen fahren Zeiten von 1' 46'' im Rennen. Niemand wird jemals schneller fahren als Juan Fernandez, weil nach 1984 die technischen Bestimmungen durch die FIA geändert wurden.

Seit 1987 dürfen neben den aktuellen Rennserien auch "historische Fahrzeuge " in einem eigenem Rennen starten. Als historisch gelten in Spanien Fahrzeuge bis Baujahr 1973.

Die startenden Wagen punkten getrennt in 2 Wertungen: der spanischen historischen Meisterschaft und der katalanischen historischen Meisterschaft.

Die Ankunft

Schon der Weg vom Mittelmeer über die Nationalstraße 420 südlich von Barcelona nach Alcaniz war die lange Reise wert. Wir fuhren am Freitag Nachmittag von Ampuriabrava los und als wir bei Reus die Autobahn verließen, stand die Sonne schon tief und ließ die gelblich-roten Felsen und Geröllflächen der Berge malerisch leuchten.

Nachdem wir um 19°° Uhr im etwa 1 km außerhalb liegenden Fahrerlager angekommen waren und abgeladen hatten, bin ich sofort zur Streckenbesichtigung mit dem Fahrrad gefahren. Die Streckenbegrenzung war schon aufgebaut, aber noch nicht überall geschlossen damit der Verkehr die Hauptstraße ( Strecke! ) noch benutzen konnte. Es war jede Menge los, vor den Bars saßen Gäste direkt hinter der Leitplanke, das ganze Dorf brodelte wie eine riesige Party.

In Alcaniz ist fast jeder Bewohner Mitglied des Motorsportclubs. Während des Trainings und während des Renntages ist die Stadt ( die zu 75% innerhalb der Strecke liegt ) völlig abgeschnitten. Alles wird dem Rennen untergeordnet, überall sind doppelte Leitplanken vor den Häusern. Der ganze Ort arbeitet mit: Busfahrer, Streckenposten, Feuerwehrleute, Straßenreinigung, Kranführer, Montagetrupps. Den ganzen Abend lang wird geschraubt, geschweißt, gefegt, aufgebaut, freigeräumt und installiert. Viele arbeiten ehrenamtlich das ganze Wochenende durch.

Inzwischen dämmerte es und ich bin nach zwei Runden zum Fahrerlager zurückgefahren. Dort herrschte mittlerweile klassische Stimmung: geschäftiges Herumwerkeln, Grillen, Leute begrüßen, Konkurrenz ausspionieren, quatschen und vor allen Dingen: Moskitos abwehren.

Ich weiß nicht, ob Spanien ein besonders schlimmes Mückenjahr hatte, aber wir saßen in der Dämmerung und versuchten Hände und Gesicht zum Essen und Trinken freizuhalten.

Irgendwie habe ich dann aber doch noch 4 Stunden Schlaf bis zum Samstag zusammenbekommen. Ich wurde als erster wach ( wohl doch etwas nervös? )und bin wieder zur Strecke runter. Dort wurden die letzten Lücken in den Leitplanken geschlossen und die letzten Falschparker abgeschleppt. Ich habe dann noch mit Mühe eine geöffnete Bäckerei gefunden und sehr preiswert fürs Frühstück eingekauft.

Das erste Training war für 10°° Uhr geplant und die Veranstalter hatten trotz heillosem Durcheinander alles pünktlich im Griff. Negativ muß ich hier bemerken, daß unsere Teilnehmerausweise nicht zum Betreten der Zuschauerzonen berechtigten. Ein Unding, wie ich finde! Aber so hatten wir genügend Zeit, die Fahrzeuge bis zu unserem Training um 16.45 Uhr vorzubereiten. Wir, das sind:

Werner NSU 1300 TT

Eddy Alfa Gt Kantenhaube

und ich 914/6 2l

In der katalanischen Wertung startet übrigens ein weiterer 914/6 von Mariano Marco. Er hat das Fahrzeug als GT-Nachbau in den USA erworben und führt derzeit diese Wertung an.

Ansonsten gab es sehr viele BMW 2002, teilweise mit Flachschiebermotoren, einen Lotus Elan ( in England vor jedem Rennen perfekt vorbereitet ), drei Ford Capri, zwei 911, drei sehr schnelle Mini Cooper S und einen Lotus Europa mit BRM Motor (Gruppe 5 ). Es gibt aufgrund mangelnder Starterzahlen keine Hubraum- oder Klasseneinteilung, alle fahren gemeinsam.

Das Training

An diesem Samstag hatten wir zweifach Glück:

1. Das Training war in den kühleren Nachmittagsstunden,

2. Durch leichte Bewölkung war es nicht ganz so heiß,

und zweimal Pech, doch davon später mehr.

Um 16.45 Uhr ging es pünktlich los. Voraufstellung im Fahrerlager, Konvoi zur Voraufstellung, Fahrt zur Boxengasse durch den Außenbezirk, kurzes Warten, dann Einfahrt Rennstrecke, sofort grüne Flagge und ab: hinter der kleinen Brücke Puente de Zaragoza 90° rechts, Curva de la Barberia 2. Gang, 3. Gang, 4. Gang voll, leichter Linksbogen, bremsen, 3. Gang, Subida del Coreho rechts, Vorsicht, dann weiter bergauf durch die Curva del Hospital 2. Gang links, 3. Gang links, auf die bergab führende Start-Ziel Gerade, 4. Gang, 5. Gang, bei 170 km/h und etwa 150m bremsen, dann 2. Gang Curva del Embudo, rechts 120° rollen lassen, 3. Gang 80° links Curva del Monregal, 4. Gang voll, enge Brücke, bremsen, 2. Gang Schikane Curva del Puente, 3. Gang, 4. Gang, Vorsicht leichter Linksbogen Curva de Pajarito, 5. Gang voll Curva del Portalon, hoch bis zur Boxenausfahrt Puente de Zaragoza 2. Gang links 90° eng, Vorsicht Bordsteinkanten vor Leitplanke auf der Brücke und 1. Runde geschafft!

In der zweiten Runde konnte ich zunächst einige Fahrzeuge überholen, dann stand jedoch Eddy's Alfa in einer riesigen Öl- und Löschpulverlache in der Bremszone kurz vor der Puente de Zaragoza.

Der Lotus Europa von Luis Villaba hatte dann auch sofort einen satten Dreher auf der Ölspur und einen Einschlagschaden vorne rechts. Bei mir lief es Runde um Runde besser, ich konnte weiter vor mir fahrende Fahrzeuge einholen und überholen. In der 8. Runde bremste ich mich dann innen in der Curva de la Monegal neben die Alpine von Miguel Torrets, der seinerseits das wohl nicht mitbekommen hatte. Er versuchte jedenfalls auf die Ideallinie nach innen zu ziehen, doch da waren nur die Leitplanke und mein Auto. Dann hat es kurz gescheppert, irgendwelches Zeugs flog durch die Luft, und meine gute Zeit war ebenso dahin wie meine GT- Stoßstange. Da ich nicht wußte ob etwas runterhängt, habe ich die Fahrt vorsichtig bis zur Boxengasse fortgesetzt und das Training dort zum Nachsehen beendet.

Ergebnis: 2 Kotflügel vorne, 2 Blinker komplett, Abschlußblech vorne und die Türe links beschädigt bis Schrott. Aber zunächst war wichtiger, das die Radaufhängung, die Reifen und die Felgen nichts abbekommen hatten.

Also gingen wir die Stoßstange suchen. Gar nicht so einfach bei einem völlig abgesperrten Kurs, denn nach uns trainierte noch die Trofeo Aragon. Nach längerem Fußmarsch konnte ich die Stoßstange in 2 Stücken vom freundlichen Streckenposten in Empfang nehmen. Es folgte ein weiterer Fußmarsch bis zum Auto ( Boxenausfahrt ), dann das Hochfahren bis zum Fahrerlager. Ich habe noch schnell am Weg getankt und wunderte mich über die Aufregung im Fahrerlager. Es hatte Ärger gegeben, weil ich Dussel nicht die Park Fermé Regularien beachtet habe. Au weia, ich hatte nur mein kaputtes Auto im Kopf. Dank großzügiger Auslegung des Reglements durfte ich dann aber doch weiter mitmachen. (.Danke, Klaus B. ! )

Eddy hatte nach kurzer Diagnose leider eine zu starke Ölpumpe oder ein klemmendes Überdruckventil, jedenfalls hatte der neue Motor den Dichtring des Ölfilters rausgedrückt und das austretende Öl hatte sich sofort am Krümmer entzündet. Für ihn war das Rennwochenende beendet. An Werners NSU haben wir die ganze Zeit rumgewerkelt, aber selbst mit einer neuen, von Norbert aus Oberhausen noch schnell mitgebrachten Verteilerkappe lief der Grewe- Doppelzünder nicht so richtig. ( In der Woche nach dem Rennen haben wir festgestellt, daß es an undichten Saugrohrflanschen lag, Werner hatte vergessen sie nachzuziehen. )

Die Ergebnislisten des Trainings ergaben folgendes Bild: von 28 Fahrzeugen, die das Training beendeten, hatte ich mich auf dem 14. Startplatz eingereiht. Die Rundenzeit von 2'13''70 stammte aus der 7. Runde, es wäre wahrscheinlich in den folgenden Runden noch besser gegangen, wenn nicht dieses Mißgeschick mit der Alpine ( 25. Platz, 2'30''76 ) passiert wäre. Mariano Marco, der übrigens auch zum ersten mal in Alcaniz fuhr, erreichte Startplatz 9 in 2'08''59. Schnellster war Diego Blanco auf Capri in 2'01''29, Zweiter der meisterschaftsführende, ehemalige englische Formel 3 Meister Simon Watson mit 2'02''63 ( Mini Cooper S! ). Mitfavorit Jordi Serra Bayona erreichte mit seinem Elan nur den 5. Platz in 2'.04''72, gefolgt vom schnellen Porsche 911 Fahrer Manuel Gonzales mit 2'05''62.

Als die Anderen schon grillten, Bier tranken und Mücken jagten, habe ich mein Auto ausgebeult und die Stoßstangenstücke mit Blechschrauben und Klebeband wieder an Ort und Stelle befestigt. Abgesehen von den Mücken, der Dämmerung und daß mein Scherenwagenheber mich im Stich ließ, klappte es auch ganz gut. Ich habe nur noch die Vorderachse auf sichtbare Beschädigung überprüft und alles für brauchbar befunden. Nach einigen Grilltellern, etwas Bier und viel Wasser habe ich dann recht gut bis Sonntag geschlafen.

Das historische Rennen

Gestartet wird in Alcaniz stehend wie in der Formel 1. Jeder Fahrer hat ein Nummerngirl mit seiner Startnummer vor sich am Startplatz. Der vor mir liegende Startplatz von Pierre Cassagne war aufgrund technischer Probleme mit dem Auto frei geblieben, so sah ich eine gute Chance mich durchzumogeln.

Aber wie immer wenn man sich etwas ausrechnet, ging alles schief. Der vor mir stehende Santiago Molineo bekam die Gänge seines Coopergetriebes nicht sortiert, blockierte aber langsam losrollend die Spur, während auf der rechten Seite Enric Clua, Javier Suria und Gonzalo Mateo davonzogen.

In den ersten Startreihen wurde Luis Villaba auf den 10. Platz durchgereicht, er schied in der zweiten Runde aus. Jordi Serra machte in der zweiten Runde gleich zwei Plätze gut, von da an spielte sich an der Spitze zwischen Blanco, Watson und Serra ein interessanter Kampf ab. Das Ford Capri PS- Monster von Blanco gegen den quirligen Cooper Superfahrer Watson und den perfekten Elan S1 von Serra. Der Zieleinlauf lautete: Serra vor Blanco und Watson.

Ich selbst konnte mir zwar den Rücken freihalten, mich aber nur aufgrund von Ausfällen und technischen Problemen der vor mir liegenden Fahrzeuge auf den 9. Platz verbessern. Alles weitere entnehmt Ihr bitte den Ergebnislisten.

Die anderen Rennen

Man kann sich kaum vorstellen, wieviel Kleinholz ein einziges Rennen eines Markencups auf einer Strecke ohne Auslaufzonen hinterläßt. Die Citroen Saxo waren bis auf die ersten 2 Fahrzeuge und die, die vorher ausgefallen waren, mindestens schwer im Blechkleid beschädigt, etliche wurden mit Schleppfahrzeugen geborgen.

Im ZX Cup wurde zweimal neu gestartet, bis alle noch Rollfähigen begriffen hatten, daß man die Einfahrt auf die Puente de Zaragoza nicht nebeneinander nehmen kann.

Zur Entlastung der Fahrer muß man aber sagen, daß es um recht hohe Preisgelder geht.

Der Einsatz ist dann entsprechend hoch und vor der Brücke ist eine der wenigen Stellen zum Ausbremsen der Konkurrenten.

Bei den Supertourenwagen hatte Vorjahressieger Inaki Goiburu auf Alfa Romeo 155 es sehr schwer gegen die aus Italien angereisten Markenkonkurrenten, er wurde nur knapp Zweiter.

Resümee

Als ich nach dem Rennen geduscht, verschnauft und beruhigt war, wurde mir langsam klar, daß ich eigentlich zu langsam gefahren bin. Okay, ich bin nur Anfänger und die Strecke war neu für mich, aber ich mußte nie korrigieren, bin nicht ein einziges Mal gerutscht. Der Respekt vor den fehlenden Auslaufzonen und vor den doppelten Leitplanken in den engen Gassen ist wohl zu groß. Dazu trug wohl auch der unverschuldete Trainingsunfall bei, beim Überrunden war ich doch sehr vorsichtig.

Dennoch war ich sehr stolz, in akzeptabler Plazierung ins Ziel gekommen zu sein. Das Rennen gilt als das schwerste der spanischen Meisterschaft. Wäre ich in der katalanischen historischen Meisterschaft gewertet worden, hätte ich auf dem 3. Platz gelegen und auf einem Siegerpodest mit Champagner spritzen dürfen. Schade, aber: Ich komme wieder!

Die Atmosphäre, die Stadt Alcaniz und die einzigartige Veranstaltung lassen mich schon jetzt die Teilnahme für den nächsten September vorbereiten. Frank Ammann

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